SKP Extended Universe

"Mechanoid E2210, Test 12." Die Stimme klang durch den Lautsprecher, während Johann Watanabe inmitten einer Plattform stand. Sein Herz pochte gegen seine Rippen, es fühlte sich so an als würde ein kleiner Sklave in seiner Brust sitzen und feste mit dem Hammer klopfen, als würde er ein Haus erbauen. Nach kurzzeitiger Überlegung streckte Johann seine Arme aus.

Kurz darauf bildete sich wie durch Zauberhand um ihn rum eine Art mechanischer Anzug. Johann sah nach unten - sein ganzer Körper befand sich nun innerhalb dieses Ganzkörperanzuges. Er bestand aus Titan, das Gewicht wurde aber durch anomalen Wege verringert. Er war schlicht gehalten - silberfarbend - beinhaltete aber mehrere Massenvernichtungswaffen.

Eine Stimme ertönte im Lagerraum, welcher kurzzeitig für PROJEKT EPOS als Testraum umgebaut wurde. Sondereinrichtung-US81 war einer der hässlichsten Einrichtungen des SKPs, dachte sich Johann, und trotzdem haben die Männer da ganz oben angst, dass er verunstaltet wird. Johann war Japaner, und wurde somit, anders als andere Asiaten wie etwa Chinesen, wie ein Deutscher behandelt. Dem alten Hirohito kann man dafür sagen. Akihito hingegen, so dachte Johann, war ein Nichtsnutz. Unwürdiger Abschaum, verglichen zu seinem Vater, welcher das Kaiserreich zu einem der vier Weltmächte machte. Obwohl Johann irgendwie klar war, dass selbst Akihito sehr wenig zu sagen hat.

"Schubdüsentest Nummer 1", sagte die Stimme. Johann wusste wer hinter dem Mikrofon saß und aus seinem gemütlichen Drehsessel die Kommandos gab und sich damit die Taschen mit Geld füllte. Sondereinrichtungsdirektor Jan Bakker. Monatsgehalt von Vierzigtausend Reichsmark, gottverdammt. Johann aktivierte mit den Hologramm-Kontrollen innerhalb des silbernen Helms die Schubdüsen und machte in der Luft mehrere Saltos und flog durch die Lagerhalle. Die Stimme ertönte erneut.

"Sieht gut aus, braucht aber eventuell noch eine Möglichkeit die Geschwindigkeit einzustellen." Eine Kurze Pause. Vielleicht notierte er sich was, allerdings, wie Johann ihn kannte, lies er sich was von einem Araber, Slawen oder Asiaten notieren.

Seine Stimme ertönte ein weiteres mal. "Handplasmakanone Test Nummer 1. Bitte begeben sie sich zum Waffentestgebiet." Und so flog Johann, wie es ihm befohlen wurde, in das Waffentestgebiet, zirka fünfzig Meter durch die Lagerhalle und landete.


Die Tests liefen allesamt recht gut. Johann begann nach den zwei Stunden in diesem metallenem Ganzkörperkondom zu schwitzen. Er stellte sich wieder auf die erhobene Fläche in der Mitte. Diesmal musste er sich nicht in eine T-Pose stellen, denn die Einzelteile flogen auf ihre Halter, welche, nachdem sie alle ihr jeweiliges Einzelteil hatten, in den Boden gingen. Übertriebener und dramatischer ging es nicht, so dachte Johann. Aber hey, dieser Nichtsnutz von Bakker hat ja eh genug Geld, welches er zur genüge ins Feuer schmeißen kann. Der Typ macht Akihito schon Konkurrenz. Bakker‘s Faulheit ist eigentlich recht offensichtlich – er wurde als Kind verwöhnt, ihm wurde alles um den Mund gerieben. Seine Großeltern waren Niederländer, zogen aber aufgrund ihrer nachgewiesenen arischen Wurzeln nach Zentraldeutschland. Er war lange Einsatzleiter bei der Gestapo – wie auch immer er das schaffte – und wurde irgendwann vom SKP angeworben. Mit seinem ekelhaften Charme konnte er sich zum Sondereinrichtungsdirektor hochschleimen. Ekelhaft, der Mann.

Irgendwie bin ich der einzige, dachte Johann, der durch dieses ekelhafte PR-Lächeln durchschauen kann. Und das ist auch der Grund wieso er mich hierfür ausgewählt hat. Er will, dass ich von ihm eine positive Meinung habe.


"Ich verstehe nicht ganz", sagte Tim Holzke, welcher sich innerhalb eines Wanderladen befand. Er war durchaus genervt, dieser "gottverdammte" Androide verstand ihn anscheinend nicht. Er sah aus wie ein Mensch aus Porzellan mit einem eingraviertem kleinem Dreieck auf dem Hals, um zu signalisieren, dass es sich hierbei um einen Androiden handelt. Erstmalig 2022 auf den Markt gebracht machten damit zwei Pioniere aus Los Angeles große Runde. Nun, siebzehn Jahre später, sind diese Porzellanteile überall. Auch in diesem Zelt- und Wanderladen in Düsseldorf.

"Ich wiederhole meine Aussage. Garantien laufen nach erstiger Benutzung ab", antwortete der Androide mit einer Stimme, die erstaunlich menschlich klang, aber gleichzeitig auch so monoton wie man es von einem Kassenarbeiter erwarten würde.

"Laut Vorschriften muss dies aber innerhalb der Beilage beschrieben sein!"

"Korrekt. Haben sie die Beilage bei ihnen?"

"Natürlich!" posaunte Holzke während er die Beilage aus seiner Tasche kramte und auf den Tisch legte. Der Android nahm diese und blätterte mit seinen Porzellanhänden.

Der Android machte einen halt und analysierte die Seite, die er aufgeschlagen hat sorgfältig.

"Hier." Er begann vor zu lesen. "Bei Benutzung dieses Exemplars von WANDERZELT GNARR UND KARR CO. läuft die Garantie ab."

"Aber was hat das denn für einen Sinn?"

"Diese Antwort sollten sie sich selber beantworten können." der Android lächelte leicht.

Der Typ fühlt Schadenfreude. Erwischt.

Holzke überlegte kurz.

"Ich persönlich lege ihnen ans Herz, ein neues Zelt z-"

"Und Ich persönlich lege dir ans Herz, dein Mund zu halten."

Und so verließ Holzke zornig das Geschäft. Sein von einem Wildschwein zerstörtes Zelt ließ er im Laden liegen.


Johann saß in der Kantine. Vor ihm befand sich ein Plastiktablett mit einem Schnitzel, Kartoffelbrei und einem noch Verpackten Pudding. Es war zwar nicht das beste, aber verglichen mit den Dingen die hier die Türken, Asiaten und Slawen kriegen ein Luxus. Johann seufzte. Er nahm den Brief, welcher gestern an seinem Büro ankam.

Lieber Herr Watanabe,

Vor drei Tagen wurde beschlossen, Projekt EPOS auf dem Feld zu testen. Sie werden nach Südamerika verlegt, um dort Projekt EPOS gegen gefangene Rebellen einzusetzen. Diese wurden von dem San-Pedro-Gefängnis in der Provinz Bolivien nach Sondereinrichtung-SA11 verlegt. Melden sie sich bitte bis morgen, dem 08.12.2039, bei Direktor Bakker.

Mit schönen Grüßen

~ K5-2

Wohl oder übel muss Johann sich heute zu Bakker schleppen. Aber erst einmal aß er den Fraß, welcher ihm täglich serviert wird. Mental bereitete er sich schon auf Bakker vor. Doch das gab ihm auch Zeit nachzudenken. Er hatte jetzt fünf Stunden freizeit - sollte kein Zwischenfall passieren. Johann's Plan sah wie folgt aus:

Es sind momentan 11:30 Uhr. Die nächste halbe Stunde wird Johann noch Essen. Dann wird er sich bei Bakker melden, was - wie Johann ihn kennt - wohl eine Stunden dauern wird. Danach wird er diesen Fragen, ob er noch einen Test mit der EPOS MARK 1 Rüstung machen darf. Dies wird er auch noch zwei Stunden machen. Die restlichen eineinhalb Stunden wird er dann Freizeit haben.


"Geben sie mir noch fünf Tage, Sir" sagte ein kleines Männchen, welches nur als Hologramm sichtbar war. Besagtes Hologramm befand sich auf einem Holopad im hinteren Bereich einer Limousine. Das Männchen trug einen Pullover, und ein eher dickerer Mann namens Gregor Mayer saß in der Limousine und schaute auf das Hologramm nieder.

"Drei Tage." Mit diesen Worten drückte der eher dickere Mann auf einen Knopf und das Hologramm verschwand.

Gregor legte das Holopad beiseite, nahm sich eine Flasche Champagner und öffnete diese. Die Flasche war einer der teuersten Marken — "Wahres Rheingold". Er schüttete ein wenig in ein Weinglas, welches selber aus sehr teurem Glas, importiert aus argentinischen "Wunderstränden", bestand. Die Minibar selber war von oben bis unten mit Kristallen jeglicher Art verziert.

Das Holopad klingelte. Gregor seufzte.

Ein weiteres Männchen erschien auf der Oberfläche des Holopads.

"Holzke."

"Moor." 'Moor' war der Spitzname für Mayer, da dieser darauf bestand, dass sein Name nicht genannt werden soll.

"Ich glaube ich habe ein neueres Modell gefunden."

"Woran konnte dies erkannt werden?"

"Als ich das Zelt, dass ich in ein paar Wildschweinen vorgeworfen habe, diesem Roboter gegeben habe, und er mir die Regelung erklärte, sah ich wie dieser Schadenfreude spürte. Oder jedenfalls denke ich das."

"Wo befindet sich denn dieser Neuling?"

"Gießinger's Wanderladen für Draußen, Graf-Adolf-Straße 41, Düsseldorf."

"Zentraldeutschland… das wird Riskant."

"Hier in Frankreich sind neue Modelle fast unmöglich zu finden."

"Auch wahr. Allerdings haben sie meine Befehle missachtet. Deswegen wird es für diese abgeschlossene Mission keine Credits für sie geben."

Holzke schwieg. Er endete den Anruf abrupt. Ein kleines Lächeln machte sich auf dem Gesicht von Gregor bemerkbar.


Johannes sah aus dem Fenster seines Linienflugs und erblickte die Sterne des Kosmos. Am Horizont sah er die Umrisse des Mars. Als Kind interessierte er sich vor allem für andere Planeten. Ein kurzer Ton erklang im Linienflug.

"Ihr Weltraumflug nach Kapstadt kommt in 10 Minuten an. Landeanflug wird eingeleitet. Bitte schnallen sie sich wieder an. Vielen dank, daß sie heute mit dem Deutschen Zentrum für Luftfahrt- und Weltraum geflogen sind. Wir begrüßen sie bald wieder bei uns." Johann schnallte sich, wie in der Durchsage ihm befohlen, wieder an. Der Linienflug drehte sich wieder in Richtung Erde und der volle Schub wurde aktiviert.

Kapstadt ist verdammt häßlich. Das schlimmste an der Stadt, so dachte Johann, waren die ganzen Menschen-Zoos, mit der niedersten Menschenrasse überhaupt. Sie lebten einst hier, was diese Stadt für Johann nur noch unattraktiver machte. Er wird bald nach Sondereinrichtung-US41 verlegt, um dort Projekt EPOS endlich zu beweisen. Gerüchten zufolge soll sich auch ein K4 des US-Sonderkommandos anwesend sein, um dem K5-Rat bericht zu erstatten. Sie selber würden sich ja nie von ihrem Thronraum in den Alpen entfernen.

Wenige Stunden später würde sich Johann vor K4-13 des US-Sonderkommandos befinden.

"Erzählen sie mir mehr über ihr… Projekt."

Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License