Ruhe in der Kirche


"Wir haben eine Aufgabe für dich, Jüngling." Diese Worte entrungen dem Mund eines ca. sechzig jährigen Mannes. Er trug eine silberne Robe, welche mit goldenen Verzierungen beschmückt war. Vor ihm kniete ein 26 jähriger Mann. Obwohl die Arme des Priesters fast ganz von der Robe umfasst worden, sah man noch, dass der rechte Arm des Priesters nicht menschlich war.

"Dies wird gleichzeitig deine Prüfung zum Diener der Transmission."

Der Jüngling wurde leicht nervös.

"Meine ersten Implantate wären eine Ehre." Er sagte es mit weniger Nervosität.

"Standort-DE05. Schließe deine Ausbildung ab."

Der Jüngling wusste genau was er tun musste.



Die eiserne Klaue bewegte sich langsam. Sie ging langsam runter und griff ihr nächstes Opfer. Sie hob das Opfer hoch. Als die Klaue das Opfer hochhob, hörte man ein Knirschen. Die Klaue ging zurück und warf es in ein Loch. Hauptmann Weißblut nahm die Chipstüte vom viel zu langsamen Snackautomaten. Er war glücklich, denn der Automat war manchmal ziemlich unzuverlässig. Weißblut stellte sich wieder aufrecht hin und ging in Richtung der Sofas. Er setzte sich.

Stabs­gefreiter Karadeniz gesellte sich neben Weißblut, welcher sofort wusste, dass Karadeniz wie eine hungrige Taube welche gerade all ihr Brot aufgegessen hat etwas wollte. "Sir, ich bräuchte einen Urlaub vom 3. bis z-" konnte der Sanitätssoldat ausspucken, bevor Weißblut ihn mit einem "Abgelehnt" unterbrach. Der Sanitäter wurde nervös, was man ihm nicht übel nehmen kann, denn jemand, der bei Weißblut's Anwesenheit nicht nervös wird hat ziemlich dicke Nerven.

"Bitte, Sir. Meine Frau ist schwanger und-"

"Das Training, Karadeniz. Das ist wichtig, und wenn Sie Glück haben, werden Sie zum Oberstabs­gefreiten befördert."

"Meine Frau hat gestern unerwartet zu früh ihr Kind bekommen. Ich kann auch den Ein-wöchigen Urlaub nächste Woche absagen und dort das Training wiederholen und-"

"Keine Wiederholungen. Das Training ist einmalig, und zieht sich über die nächsten zwei Wochen. Warten sie doch einfach bis zu ihrem bei mir bereits beantragten Urlaub, dann können sie ihr Kind sehen."

Karadeniz blieb still.

"Nun gut."

Er ging. Weißblut konnte erkennen, dass er einerseits beleidigt war, aber auch, warum auch immer, erleichtert. Es kümmerte Weißblut nicht weiter, welcher mittlerweile seine Chipstüte öffnete und diese aß.


Eine Truppe an MTFs bewegte sich zu einer Hütte zu.

"Umzingelt die Hütte." schrie der Kommandant seinen Leuten in einem wütenden Ton auf russisch zu. Er war Kommandant von MTF Delta-3 "Des Jägers Jäger", eine MTF Einheit des russischen Ablegers. Zwölf der Achtzehn Einheiten plazierten sich strategisch um das Haus herum. Die restlichen sechs gingen mit Kommandant Mikhailov an der Spitze in das Haus rein. Es war ein Bungalow - aus purem Holz. Der Flur, den die sechs betraten war simpel gehalten. Aus Holz, ganz einfach. Ein kleiner, weißer Teppich befand sich am Boden. Auf dem Teppich waren kleine, rote Flecken. Kommandant Mikhailov wollte das Blut aufnehmen, es war allerdings schon seit sehr langer Zeit getrocknet.

"Mehrere Jahre getrocknet."

Mihailov schaute auf eine Tür, welche sich zu seiner Linken befand. Er betrat sie. Ein Schlafzimmer - ein Doppelbett. Möglicherweise ein Ehepaar? Hoffentlich kein Schwules, dachte sich Mikhailov, sonst würde es höchstpersönlich mit ihm Ärger geben. Es befand sich ein iPad unter dem Bett, ein goldenes iPad Mini der Generation 2. Mikhailov aktivierte das iPad.

"Deutsch."

Der Kommandant riss seinen Kopf nach oben und schaute sich den Raum an. Er schwieg still und überließ seinen Kameraden das Nachdenken darüber, was gerade im Kopf dieses Menschen vor sich geht. Schrank. Gewisse Erwachsenen-Magazine in einem Karton unter dem Bett. Ein Laptop der hier wohl vergessen wurde. Schrank. Schrank. Der Schrank war bizarr. Er war definitiv fehl am Platz. Mikhailov näherte sich dem Schrank. Was war fehl am Platz? Er schien ordinär, aus Holz handgefertigt wie jedes andere Möbelstück. Zweieinhalb Meter hoch. Ein Meter breit. Sibirischer Lärche. Renaissance-Stil, genau wie jedes andere Möbelstück. Lärche. Lärche. Lärche? Bingo. Die anderen Möbelstücke bestehen aus Kiefer, durch und durch. Diese ist allerdings eine sibirische Lärche.

"Ivchenko, bewegen sie diesen Schrank hier raus."

"Ja, Sir." Ivenchko war nicht wirklich verwirrt - kein anderer war verwirrt. Sie wussten, dass der Kommandant das schaffen würde. Alle wussten, dass er in seinem Feld ein Profi war - er wusste genau, wer welche kleinen Fehler machen würde.

Der Schrank wurde bewegt. Dort hinter erstreckte sich eine zwei Meter hohe Bunkertür. Das Team war nicht erstaunt. Ivenchko wartete auf weitere Befehle.

"Öffnen Sie die Tür."

Ivenchko legte seine Hände auf die Klinke und hatte Schwierigkeiten diese umzulegen. Ein anderer Agent kam ihm in Eile zur Hilfe, aber beide waren dann doch nicht in der Lage die Klinke umzulegen.

"Zurück."

Das Team verließ den Raum. Sie wussten was passieren wird. Nach zehn Sekunden kam Mikhailov auch raus. Das Team befand sich vor der Tür, bewegte sich aber zusammen mit Mikhailov in Richtung Wohnzimmer. Mikhailov betätigte einen Zünder, fest in seine Hand geklemmt, und zündete diesen. Aus dem Schlafzimmer ertönte ein lautes Geräusch - eine Explosion. Einige MTF-Mitglieder hatten ein Klingeln in den Ohren, alle ignorierten dieses aber. Sie wussten, Mikhailov würde solch ein Benehmen bestrafen. Deswegen wurde er gewählt - er war der Beste der Besten seiner Einheit, Makellose Psychologie-, Sozial- sowie Grundwissentests. Auch was Waffenumgang angeht war Mikhailov ein regelrechter Meister. Er kann mit allem umgehen.

Ivenchko wartete auf weitere Befehle. Als das Klingeln langsam nach lies, bewegte sich Mikhailov wieder schnell zurück. Allein an seinem Gang bemerkte man, dass er gegenüber anderen dominant war. Er ging schnell, aufrecht. Würde er seine Maske nicht tragen, würde man wohl ein großes, glatzköpfiges Gesicht mit großer Narbe sehen, welches grimmig dreinschauen würde. Mit einem Handzeichen signalisierte Mikhailov zu folgen.

Die Bunkertür war offen. Mikhailov ging alleine rein. Kurz danach ertönte auf dem Bunker ein Geräusch, dass keiner der gesamten Einheit jemals gehört hat. Noch nie - in allen Einsätzen, voll mit Blut, Kadavern, noch nie gab es dieses Geräusch. Noch nie gab es so viel Emotion von Mikhailov.

"Gottverdammte scheiße!"

Dann hörte es auf. Schlagartig. Die plötzliche Totenstille war genau so beunruhigender, wie das Geräusch. Dann ein leichtes und leises Tippen.
Tipp.
Tipp.
Tipp.


Dr. Jannik Fuchs, Leiter des Medizinflügels von Standort-DE05, begab sich in sein Büro. Sein Plan ist schiefgegangen - jedenfalls praktisch. Theoretisch gesehen ist alles glatt wie Butter verlaufen. Sein bester Freund (Für Jannik teilweise mehr) konnte wiederbelebt werden. Aber leider verlief alles danach glatt wie Sandpapier. Er war einfach anders - als wäre er Besessen. Von einem "WAN". Er kannte Jannik wieder, aber sah ihn als "nutzlos" an. Irgendwann floh er. Jannik war am Boden zerstört. Es hatte irgendwas mit dem Chip zu tun. Jannik musste nachforschen. Er ging zum Büro von Dr. Wied. Dieser saß in seinem Bürostuhl und tippte beschäftigt auf seiner Tastatur. Er drehte sich in seinem Stuhl Richtung Tür.

"Dr. Fuchs. Wie kann ich heute helfen?"

"Haben sie noch die Akte zum dem Chip? Das Maxwellisten-Ding?"

"SCP-MX-151-DE?" Dr. Wied schob seinen Stuhl in die Richtung des Aktenschrankes. "Das hab ich noch. Was ist damit?"

"Ich… will es mir noch einmal durchlesen."

Dr. Wied holte Wortlos die Akte heraus und übergab sie Dr. Fuchs.

"Du weißt nichts über den Vorfall, oder?", fragte Dr. Wied leise.

"Nein."

Objekt-Nr.: SCP-MX-151-DE

Klassifizierung: Sicher

Sicherheitsmaßnahmen: SCP-MX-151-DE ist in einem Sicherheitsschließfach in Standort-DE05 aufzubewahren. Da vermutet wird, dass es sich bei Vorfall-MX151 um einen Infiltrator handelt, wird MTF DE1-𝔏 (1-Ludwig „Die Inquisition”) eingesetzt, um SCP-MX-151-DE aufzuspüren.

Beschreibung: SCP-MX-151-DE designiert ein Computerchip mit den Maßen 10cm x 10cm, was es drastisch erschwert, ihn an ein technisches Gerät anzuschließen. Sollte es durch andere Mittel gelingen den Chip zu verbinden, stürzt das Gerät ab und versucht sich wieder neuzustarten, was erst wieder funktioniert, wenn der Chip entfernt wird.

Sollte dieser Chip aber in die Nähe eines Gehirns kommen so erleidet dieses Hirn einen Hirntod.

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